Die Frage nach Ausnahmen

Zu jedem Problem gibt es eine Ausnahme, nichts ist immer gleich. Ausnahmen deuten auf Lösungen hin. So lautet zumindest eine Annahme im Lösungsorientierten Ansatz.

Mit der Fokussierung auf Ausnahmen verfolgen wir folgende Absichten in der Beratung:

  • Zieldienliche, konkrete Kompetenzen der Patienten in den Vordergrund rücken
  • Ausnahmen für die Lösungsentwicklung nutzen lassen
  • Unterstützung einer positiven Selbstsicht der Patienten
  • Stärkung der Wahrnehmung von Selbststeuerungsoptionen

Die Patienten brauchen bei der Suche nach Ausnahmen oft unsere Unterstützung. Erst mal sollte eine Ausnahme identifiziert werden mit Fragen wie:

Wann tritt das Problem nicht auf? Wann war es anders / besser / schwächer? Wann gelang bereits etwas vom Angestrebten? Was veränderte sich bereits seit der Anmeldung? usw.

Wenn Ausnahmen gefunden werden, könnte ein weiterer Schritt sein, nach dem Kontext zu fragen:

Was ist in dieser Zeit anders? Wie genau unterscheiden sich dann die Dinge? Was machen die anderen Beteiligten dann anders? Was können andere Sie dann tun sehen? Woran können andere dies erkennen? usw.

Spezifizierung ist eine weitere Frageoption bei Ausnahmen:

Was machen Sie anders? Wie denken Sie dann? Wie nehmen andere Sie dann wahr? Was hat geholfen? usw.

Beachtenswertes rund um Ausnahmen:

  • Ausnahmen, die kurz zurückliegen, sind in der Regel nützlicher als länger zurückliegende
  • Viele Ausnahmen erzählen die Patienten spontan und können herausgehört werden
  • Verkleinerungen helfen oft, wenn mit maximal unterstellenden Fragen keine Antworten ermöglicht wurden: „…klein wenig….“, „…kurze Zeit…“ usw.
  • Skalierungsfragen sind vielfach nützliche Einstiegsmöglichkeiten, um Ausnahmenpotenzial sichtbar zu machen
  • Patienten misstrauen Ausnahmen oft und/oder müssen darüber nachdenken
  • Sind z.Z. keine Ausnahmen entwickelbar, helfen hypothetische Fragen, die Wunderfrage oder eine Time-Line-Variante oft

Wichtig! Ausnahmen sind Ausnahmen und nicht die Lösung!

André Wittwer, Case Manager

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Wie Wertschätzung das Leben bereichert

Wer oder was hat mir heute gefallen? Wem oder was bin ich heute dankbar? Wen könnte ich heute wie erfreuen? Der WOW Effekt funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Er funktioniert für Sie selbst und im Zusammenleben mit anderen Menschen.

Auf jeden Fall entsteht eine bessere Atmosphäre wenn Sie jemanden, den Sie bereits kennen oder neu kennenlernen zuerst mit dem Blick auf seine Ressourcen und Stärken wahrnehmen und sich überlegen, was Sie an ihm/ihr schätzen und was er/sie gut kann. Das kann das Wachstum des anderen fördern.

Sagen Sie anderen, was Sie an ihnen schätzen und bewundern. Verteilen Sie Komplimente und freuen Sie sich der Wirkung auf andere. Probieren Sie einmal aus wie andere sich über persönlich ausgesprochene Komplimente und Wertschätzung freuen.

Ganz interessant ist auch zu beobachten wie sich z.B. Kinder entwickeln wenn man sich darauf konzentriert, das Verhalten zu loben was man gerne fördern möchte. Oder wenn man sie gar so behandelt als wären sie schon so…. Bereits J.W. von Goethe sagte zu diesem Thema „Behandle andere Menschen so wie sie sein sollten und du hilfst ihnen zu werden was sie sein können“.

So unwahrscheinlich es klingen mag, aber das funktioniert auch im Umgang mit einem selbst – den „so-tun-als-ob-Effekt“. Wenn Sie zum Beispiel selbstbewusster werden möchten, tun Sie mal so als ob Sie bereits selbstbewusster wären. Wenn Sie sich – zumindest zeitweise – so verhalten als wären Sie bereits so, hilft Ihnen das, sich in dieser Hinsicht zu entwickeln.

Der WOW Effekt

WOW hilft Ihnen und anderen Menschen in Ihrem Umfeld, sich besser zu fühlen. Was passiert wenn Sie die Augen für einen kurzen Moment schliessen und an jemanden (WER) oder etwas (WAS) denken, der/das Sie heute richtig gefreut hat? Ja, genau: es erzeugt ein innerliches Lächeln, das vielleicht sogar sichtbar ist. In Experimenten wurde nachgewiesen, dass allein die Bewegung der Gesichtsmuskeln eine Veränderung der chemischen Substanzen in unserem Körper bewirkt, die uns zufriedener macht. Ihr Lächeln bewirkt also, dass Sie sich besser fühlen.

WOW erzeugt einen positiven Ansteckungseffekt

Mit einem Lächeln fühlen wir uns also selbst besser. Und damit fühlen sich auch Menschen in unserer Umgebung tendenziell besser weil ein echtes Lächeln einfach ansteckend wirkt. Und wenn Sie dazu noch gratis Komplimente verteilen, verbreiten Sie noch mehr positive Wellen in Ihrem Umfeld. Weil sich viele Leute besser fühlen und vielleicht auch (unbewusst) Ihrem Beispiel folgen und auch zufriedener sind, mehr lächeln und gratis Komplimente geben.

Es gibt wahrscheinlich viele Gründe, es nicht zu tun ….

Vielleicht sind Sie aufgrund Ihrer Erziehung oder Ihrer Kultur es nicht gewöhnt, viel zu lächeln oder gar gratis Komplimente zu verteilen. Vielleicht haben Sie selbst auch bisher wenig Wertschätzung empfangen und wurden wenig gelobt. Vielleicht fühlen Sie sich zu schüchtern für so etwas oder genieren sich gar?

… und viele Gründe, es zu tun

Sie können nichts verlieren. „Eine Kerze verliert nichts an Licht und Wärme wenn sie eine andere Kerze anzündet“. Fangen Sie einfach damit an, probieren Sie es aus! Warten Sie nicht darauf, dass andere Menschen den ersten Schritt tun sondern gehen Sie auf sie zu. Praktizieren Sie das WOW einfach mal eine Weile und nehmen Sie bewusst die vielen kleinen positiven Veränderungen wahr.

Quelle: (www.juliakalenberg.ch, Stand 7.7.16)

Zitatesammlung

Manchmal werde ich den Verdacht nicht los, dass eine lösungs- und kompetenzorientierte Haltung schon vor oder parallel zu Steve de Shazer, Insoo Kim Berg und Co. „erfunden“ wurde. Indizien für eine Erhärtung dieses Verdachts finden sich in der folgenden kleinen Zitatensammlung:

„Man wirft den Menschen immer vor, dass sie ihre Mängel nicht erkennen. Noch weniger aber kennen sie ihre Stärken. Sie sind wie das Erdreich. In vielen Grundstücken sind Schätze verborgen, aber der Besitzer weiss nichts von ihnen.“

(Jonathan Swift, Irischer Schriftsteller)

 

„Behandle die Menschen so wie sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, wie sie sein können……..“

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

„Was sich nicht reparieren lässt, ist auch nicht kaputt.“

(TV-Serienheld „Alf“)

 

Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“

(Indianische Weisheit)

 

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen…. und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert……“

(Albert Einstein, Physiker)

 

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“                                                            (Albert Einstein, Physiker)

 

„Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“

(Marcus Aurelius, röm. Kaiser)

 

„Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

(Seneca, röm. Philosoph)

 

„Leben ist das, was dir passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“

(John Lennon, Musiker)

 

„Probleme sind verkleidete Möglichkeiten.“

(Henry David Thoreau, Schriftsteller)

 

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“

(Forrest Gump, Filmfigur)

 

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiss nie, was man bekommt.“

(Forrest Gump, Filmfigur)

 

„Wer mich ärgert, bestimme ich.“

(Winston Churchill, Politiker)

 

Die Essenz des lösungs- und ressourcenorientierte Ansatzes

DIE ANNAHMEN

Probleme sind Herausforderungen, die jeder auf seine persönliche Art zu lösen sucht.

Menschen haben eigene Ressourcen, um ihr Leben zu gestalten. In eigener Sache sind wir kundig und kompetent.

Es ist hilfreich, dem Partner/der Partnerin sorgfältig zuzuhören und ernst zu nehmen, was er/sie sagt.

Wenn du dich am Gelingen, an der Lösung und an der Zukunft orientierst, gelingt es dir eher einen Weg zu finden.

Nichts ist immer gleich, Ausnahmen deuten auf Lösungen hin.

Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Sie kooperieren und ändern sich eher und leichter in einem Umfeld, das ihre Stärken und Fähigkeiten unterstützt.

Jede Reaktion ist eine Form der Kooperation, Widerstand auch.

 

DAS GESPRÄCH

Die Zielfrage: Was muss in diesem Gespräch (in dieser Stunde, Sitzung usw.) geschehen, dass du am Ende sagen kannst, es hat sich gelohnt? Woran würdest du das erkennen?

Die Wunderfrage: In der Nacht geschieht ein Wunder. Woran erkennst du am Morgen, dass das Wunder geschehen ist?

Die Frage nach den Ausnahmen: Gibt es Momente in deinem Leben, in denen das Wunder bereits ein bisschen stattfindet?

Die Skalierungsfragen: Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 bedeutet, dass das Wunder geschehen ist, und 1 das Gegenteil, wo würdest du ……..?

Die Erkundungsfragen: Was würde z.B. deine Mutter sagen, woran sie merken würde, dass du von 3 auf 4 gekommen bist?

Der Abschluss: Falls nicht schon geschehen, ein Feedback mit Anerkennung und Anregung geben.

„Einfach ein Schnüffler“ ein Fallbeispiel zum lösungsbezogenen Ansatz

Im heutigen Beitrag möchte ich euch ein Fallbeispiel weitergeben, auf das ich im Buch ‚Kurzzeittherapie bei Alkoholproblemen’ von Insoo Kim Berg und Scott D. Miller gestossen bin.

Ein junger Mann wurde nach seiner Verhaftung wegen „Schnüffelns von Lösungsmitteln“ und öffentlicher Intoxikation dazu verurteilt, sich in Therapie zu begeben; auf die Anordnung der Therapie folgte eine vierjährige Geschichte von Verhaftungen wegen desselben Deliktes. Jedesmal wurde Elmer von der örtlichen Polizei verhaftet, die ihn dabei ertappte, wie er, auf der vorderen Veranda seines Elternhauses sitzend, aus einer Plastiktüte Leim schnüffelte. Bei den mehr als 50 Verhaftungen war Elmer mindestens zehnmal die Auflage gemacht worden, sich in Therapie zu begeben. Er wurde siebenmal in ambulante und zweimal in stationäre Behandlung geschickt, und schliesslich einmal in eine Einrichtung für stationäre Langzeitbehandlung eingewiesen.

Als wir ihn fragten, was er mit der jetzigen Therapie erreichen wolle, antwortete Elmer, dass er „einfach ein Schnüffler“ sei, der keine Lust mehr habe, öfters verhaftet zu werden. Der Therapeut befragte Elmer zuerst darüber, wie er es geschafft habe, so oft verhaftet zu werden und Therapie verordnet zu bekommen. Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck sagte er: „Ich weiss es nicht! Sicherlich will ich nicht verhaftet werden, …. vielleicht liegt es daran, dass die Polizei einfach gute Arbeit leistet.“ Nach einigem Nachdenken fuhr er fort: „Sie kommen oft in meine Nachbarschaft und gehen dort auf Streife!“

Elmer und der Therapeut überlegten gemeinsam und kooperativ, was geschehen müsste, damit die Chancen für etwaige zukünftige Verhaftungen geringer würden. Elmer stellte erneut ganz klar, dass es für ihn nicht in Betracht käme, mit dem Leimschnüffeln aufzuhören. Der Therapeut fragte daraufhin, ob es eventuell eine annehmbare Alternative wäre, auf der hinteren Veranda Leim zu schnüffeln, anstatt auf der vorderen Veranda high zu werden – einem Ort, wie der Therapeut betonte, wo die Polizei ihn leicht sehen konnte. Elmer sagte zum Therapeuten, dass er an diese Möglichkeit noch nie gedacht hatte. Er stimmte bereitwillig zu, die Idee als ein „Experiment“ auszuprobieren und eine Woche später wiederzukommen, um zu berichten, was er herausgefunden hatte.

Als Elmer in der nächsten Woche wiederkam, berichtete er, dass die Polizei sich nie auch nur bemüht habe, bei der hinteren Veranda nachzusehen, obwohl sie mehrere Male an seinem Haus vorbeigefahren seien. Mehr noch, zu seiner grossen Belustigung, hätte die Polizei nur das eine Mal an einem späten Nachmittag angehalten, als er auf der vorderen Veranda sass, um sich zu entspannen und einfach nur „den Sonnenuntergang zu geniessen“.

Nach diesem Erlebnis begann Elmer, sich einfach aus Spass auf die vordere Veranda zu setzen. Das Ergebnis war natürlich, dass er nicht wieder verhaftet wurde oder die Auflage erhielt, sich in irgendeine weitere Behandlung zu begeben. Schliesslich führte der gute Kontakt mit diesem Klienten dazu, dass Elmer, sobald einmal die Verhaftungen und Überweisungen aufgehört hatten, damit anfing, seinen Gebrauch von Schnüffelstoffen selbständig einzuschränken. Elmer hatte eigentlich schon während seiner Therapie angefangen, seltener zu schnüffeln.

Das Fallbeispiel enthält alle drei Komponenten dessen, was wir die „zentrale Philosophie“ des lösungsbezogenen Ansatzes nennen. Die drei (Faust-) Regeln lauten:

  1. Wenn etwas nicht kaputt ist, mache es nicht ganz!
  2. Wenn du einmal weißt, was funktioniert, mache mehr vom Selben!
  3. Wenn es nicht funktioniert, lass es sein, mache etwas anderes!

Indem der Therapeut diesen drei Regeln folgte, war er in der Lage, Elmer zu helfen, nicht mehr verhaftet und in Therapie geschickt zu werden. Dies führte schliesslich dazu, dass Elmer seinen Gebrauch von Schnüffelstoffen einschränkte. Der Therapeut befolgte Regel Nr. 3, als er den Behandlungsfokus vom Drogenmissbrauch weg auf die vielfachen Verhaftungen und Überweisungen zur Therapie lenkte. Damit vermied er es, dieselben Strategien zu wiederholen, die in der Vergangenheit gescheitert waren. Er entschied sich statt dessen dafür etwas anderes zu machen. Als ein gewisser Fortschritt erzielt wurde, folgte der Therapeut der Regel Nr. 2, indem er mehr von dem machte, was bei Elmer funktioniert hatte. Schliesslich folgte der Therapeut die ganze Zeit über der Regel Nr. 1, indem er geschickt eine Fülle von Themen vermied, die er vielleicht als Probleme hätte ansehen können, die Elmer aber nicht als solche empfunden hat.

Verschiedene Ebenen lösungs- und ressourcenorientiert nutzen

Patienten, die zur Behandlung kommen, definieren ihr Anliegen wie ihr Ziel in ihrem Heimatsystem, also in dem System, das niemals aktuell während der Behandlung gegenwärtig sein kann. Ihr Anliegen in Form eines Dilemmas oder Problems zeigt sich in ihrem Alltag. In der Behandlung wird darüber gesprochen, es werden Beschreibungen angefertigt, Geschichten erzählt. Der Alltag kann allerdings niemals in die Behandlung einbezogen werden, einfach deshalb nicht, weil die beteiligten Fachleute nicht Bestandteil des Alltags der Patienten sind.

Patienten und Fachpersonen bilden ein „neues Ganzes“ – das Beratungssystem, das während der Behandlung Bestand hat. Ausserhalb der Behandlung kann auch das Beratungssystem nicht existieren, es kann nur beschrieben werden. Diese Unterscheidung zeigt Folgen und hat Konsequenzen für die Ziele und Lösungen, um die es in der Behandlung gehen kann.

Die Ziele der Patienten lassen sich nach diesem Verständnis immer nur ausserhalb der Behandlungssituation verwirklichen. Anders formuliert: alles was in der Behandlung geschehen kann, erweist sich erst im Alltag der Patienten als bedeutsam im Sinne von hilfreich, nützlich oder zieldienlich. In der Behandlung/Beratung selbst können Beschreibungen (Ideen) entwickelt werden, die sich für das Heimatsystem als nützlich erweisen können.

Was im lösungsorientierten Sinn als Ziel definiert wird, kann sich nach diesem Verständnis ausschliesslich auf Ziele im Heimatsystem beziehen, also auf Ziele, die nicht in der Behandlung verwirklicht werden können. Ob und inwieweit sich das, was im Beratungssystem entwickelt wird, als zieldienlich im Heimatsystem erweist, bleibt der Überprüfung durch die Patienten vorbehalten.

Diese Beschreibung legt nahe, zwei Ebenen oder Bereiche von Zielen zu unterscheiden: Ziele für das Heimatsystem und Ziele für das Beratungssystem. Ziele für das Heimatsystem könnten demnach in den Bereich, der im lösungsorientierten Arbeiten als „Ziele“ oder „wohl definierte Ziele“ verstanden wird, fallen. Die Ausarbeitung solcher „wohl formulierter Ziele“ hilft, den Evaluationsprozess der Patienten zu erleichtern. In der Beratung selbst geht es deshalb immer auch darum, diese beiden Ebenen oder Bereiche auseinander zu halten.

Für das Heimatsystem gilt die Frage:

„Was genau machen Sie anders, wenn Sie das Verhalten zeigen, das Sie wünschen?“, oder: „Was genau machen Sie anders, wenn Sie ihr Ziel erreicht haben?“

Für das Beratungssystem gilt die Frage:

„Was können wir in diesem Gespräch tun, von dem Sie denken, es kann hilfreich sein, dass Sie dort (im Heimatsystem) Ihrem Ziel näher kommen?“

So gesehen ergeben sich für den Beratungsprozess aus Sicht der Fachleute zwei Rückkoppelungsschleifen in Form von Musterfragen:

Was hat sich in Ihrem Heimatsystem verändert – in die Richtung, in die Sie wollen?

Was hat sich von dem, was hier in der Beratung geschehen ist, als hilfreich erwiesen, dass Sie in Ihrem Heimatsystem in die Richtung, in die Sie wollen, vorangekommen sind?

Nach diesem Verständnis können demnach in Beratungssituationen Probleme niemals gelöst werden – es können andere Geschichten über Probleme erzählt, Ideen anderer Verhaltensweisen, Möglichkeiten bisher nicht so klar gesehener Bewertungen usw. hervorgehoben werden: Alles Anregungen, Hilfsmittel, um im Alltag ausserhalb des Beratungssystems zurechtzukommen.

Für das beraterische Handeln bedeutet dies, die Bereiche zu unterscheiden, auf die sich die Erzählungen beziehen, und nicht die Speisekarte mit dem Essen zu verwechseln, also nicht die in der Beratung entworfenen Lösungsideen mit der Lösung im Alltag selbst zu verwechseln.

André Wittwer, Case-Manager

Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es! Erfolgreiches Selbstmanagement leicht gemacht

Ob süchtig oder nicht – wir alle haben unsere unerwünschten Gewohnheiten, die wir verändern möchten. Doch wie? Wir kennen die erfolglosen Versuche, bei welche die guten Vorsätzen in Kürze ihre Wirkung verlieren. Veränderung braucht mehr als schöne Ziele und wohlgemeinte Vorsätze! Ja, Veränderung braucht ein gutes Management – nämlich von sich selbst. Doch wen genau managen wir, wenn wir von Selbstmanagement reden?

Unser Selbst umfasst viele Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen, Verhaltensweisen, Einstellungen usw. Eine komplexe Angelegenheit! Oft scheitern wir an Vorsätzen, weil uns irgendein Gedanke, eine Verlockung oder eine Gefühlswallung in alte Gewohnheiten zurückwirft. Darum ist es gut, sich das Selbstmanagement möglichst einfach zu machen. Nämlich so:

Stellen wir uns das Selbst als eine lebendige „Figur“ vor. Ihr geht es gut, wenn wir unsere neue Gewohnheit umsetzten. Und ihr geht es schlecht, wenn wir unser Vorhaben vernachlässigen oder vergessen. Als Figur nehmen wir in diesem Fall ein herziges „Würmli“, weil es dazu eine lustige und hilfreiche App gibt. Aber dazu später. So geht’s:

Ziel definieren
Wählen Sie etwas aus, was Sie mehr in Ihrem Leben haben möchten. Hier einige Beispiele: Während der Arbeit immer wieder kurze Pausen machen. Mehr Lächeln während dem Autofahren. Regelmässig trinken Wasser trinken. Die Übungen der Physiotherapie gemäss Planung durchführen… Achten Sie darauf, dass das gewählte Ziel, sich für Sie positiv anfühlt. Forschen Sie so lange, bis Sie einen passenden Satz gefunden haben. Vielleicht gibt es sogar ein Bild oder eine Musik oder eine Farbe oder ein Symbol, das zum Ziel passt?

Schreiben Sie Ihr Ziel auf ein Blatt Papier.

Anzeichen beschreiben
Was sind Anzeichen, dass Sie Ihr Ziel umsetzen? Woran würden Sie dies ganz konkret merken? Was sind grosse bis kleinste Handlungen in Ihrem Alltag? Hier einige Beispiele für das Ziel „Die Übungen der Physiotherapie gemäss Planung durchführen“: Ich lege am Abend den Plan auf den Küchentisch, damit ich morgens dran denke. Ich habe mir die Übungen als Termin in die Agenda eingetragen. Ich lege mir ein Schoggiherz auf die Gymnastikmatte, damit ich am Abend nach der Arbeit mit Freude an die Übungen gehe. Ich habe di e Übungen soeben durchgeführt.

Schreiben Sie alle Anzeichen, die Ihnen in den Sinn kommen auf ein Blatt Papier.

Erfolge festhalten
Jetzt füttern Sie das „Würmli“! Jedes Mal, wenn Sie eine Handlung in Richtung Ihres Ziels gemacht haben, ist das Futter für Ihr Würmli. Sorgen Sie dafür, dass das Würmli bei bester Gesundheit bleibt. Führen Sie Buch über Ihre Erfolge. Dazu gibt es eine lustige Würmli-App!

Würmli App (https://itunes.apple.com/de/app/wuermli/id489456565?mt=8)

Kreieren Sie Ihr persönliches Würmli. Bestimmen Sie, wie lange Sie das neue Ziel verfolgen bzw. die neue Gewohnheit „füttern“ möchten. Bestimmen Sie unter „Einstellungen“ wie oft sie pro Tag eine Fütterung vornehmen möchten, damit das Wümli gut genährt bleibt. Das heisst: Immer wenn Sie etwas für Ihr Ziel gemacht haben, füttern Sie sofort Ihr Würmli.

Und so werden Sie täglich sehen, wie gut es Ihrem Würmli geht, sprich wie gut Sie sich selbst managen. Viel Spass!

Simone Tschopp, lic. phil. Psychologin, Leiterin Projekte